Die katholische Kirchengemeinde St. Jakobus setzt die Jubiläumsfeiern „225 Jahre Stiftskirche“ mit einer Reihe von Gottesdiensten fort, die zeigen sollen, dass die imposante Kirche mehr ist als ein Gebäude, dass in ihr und in der Gemeinde die Gegenwart Gottes in vielfältiger Weise erfahrbar ist. Am gestrigen Sonntag wurde dies in einem sehr gut besuchten Gottesdienst verdeutlicht, der vom Ausschuss „Mission – eine Welt“ mitgestaltet wurde und an dem auch die Jugendlichen, die Anfang kommenden Jahres gefirmt werden, teilnahmen.
Kaplan Stefan Märkl feierte die bewusst schlicht gehaltene Heilige Messe assistiert von Diakon Dr. Karl-Heinz Schäfer, dem Vorsitzenden des Ausschusses.
„Glaube und Liebe kennen keine Grenzen“. Dieses Motto wurde mehrfach verdeutlicht: Gegenstände, die Mitglieder des Ausschusses von ihrem Besuch im Sommer im Zachäus - Haus in Burundi mitbrachten, zierten die Altarstufen und legten Zeugnis ab vom vielfältigen Engagement für die behinderten Kinder in Gitega. Eine kleine Ausstellung zeigte außerdem, wie stark sich der rührige Ausschuss für mehr Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Frieden in der Welt einsetzt und mit Hilfe vieler Spender aus der Pfarrei ganz konkret versucht, Not und Elend in Gitega zu lindern. Dort leitet die den Hechingern wohl bekannte Schwester Candida das Zachäus - Haus, ein Heim für behinderte Kinder und Waisen.
Die Mitglieder des Ausschusses trugen die von ihnen formulierten Fürbitten vor, in denen um Hilfe für die durch Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit und Unfrieden verwundete Welt gebetet wurde und um Einsicht, Stärke und Kraft für die, die versuchen, Hilfe zu leisten.
Einen beeindruckenden Bericht gab die in Hechingen aufgewachsene Kleine Schwester Gertrud Veronika, geb. Wiedmann, die heute als Generalverantwortliche der „Kleinen Schwestern Jesu“ in Rom wirkt ( wir berichteten ). Einfühlsam schilderte sie ihren Weg zum Glauben: die Erfahrungen ihrer Kindheit in der kargen Nachkriegszeit, aber auch das Erleben kirchlichen Lebens hätten eine lebendige Beziehung zu Jesus bewirkt. Während der Jugendzeit habe sie dann aber zunächst ohne diesen engen Bezug gelebt. Das Vatikanische Konzil mit seiner Öffnung der Kirche zur Welt hin habe später bei ihr große Wirkung gezeigt und ihr Engagement im kirchlichen Leben begründet. Bestimmend sei für sie vor allem das Vorbild von Charles de Foucauld gewesen, das sie letztlich zum Eintritt in den Orden der Kleinen Schwestern bewog mit dem Ziel, ein Leben in der Gemeinschaft zu führen.
Die Anteilnahme am Leben anderer, das Leben mit denen, die in Not sind, die ausgegrenzt
und unbeachtet am Rande der Gesellschaft leben, sei Grundsatz ihrer Gemeinschaften. Dass Menschen aller Sprachen sich als Schwestern und Brüder betrachten, sei oberstes Ziel ihres Tuns. „Hier darf jeder Bettler der Liebe sein“. Eindrucksvoll machte Schwester Gertrud Veronika so deutlich, dass Glaubens- und Lebensgeschichte zugleich auch Zeitgeschichte ist.





