Wünsche verwandeln die Welt
Vor gar nicht allzu langer Zeit war in einem gar nicht allzu fernen
Land den Menschen die Lebensfreude abhanden gekommen.
Nicht, dass sie nichts mehr vom Leben erwarteten. Im Gegenteil:
Ihre Erwartungen waren eher hoch. Der eine träumte von einem
größeren Auto, der andere von einem schöneren Haus und wieder
andere davon, eines Tages so viel Geld zu haben, dass sie
sich jeden Wunsch erfüllen könnten.
Manche besaßen bereits so viel, dass sie eigentlich wunschlos
glücklich hätten sein müssen. Aber ach, von Glück gab es keine
Spur. Die Menschen waren wunschlos unglücklich geworden. Ob
es daran lag, dass sie sich keine Ruhe gegönnt hatten, um ihre
Ziele zu erreichen? Denn je mehr sie arbeiteten und verdienten,
umso unglücklicher wurden sie. Andere Menschen waren eine
regelrechte Bedrohung für sie, und man traute einander nicht
mehr. ‚Die Konkurrenz schläft nicht’, sagten sie sich und versuchten
einander auszustechen, wo sie nur konnten.
Und das war nicht nur dort so, wo Geld verdient wurde. Auch den
Kindern in der Schule ging die Freundschaft verloren. Weil nur
noch der etwas zählte, der gute Noten hatte – das war ja die
Voraussetzung, um sich später etwas leisten zu können –, wurden
auch die Kinder zu Einzelkämpfern. Jeder hatte alle Hände
voll zu tun und keine Hand mehr frei, um sie anderen zu reichen.
Eines Tages kam es, dass der Funke Sehnsucht die Seele eines
Menschen streifte. Das führte dazu, dass dieser Mensch sich
fragte, welchen Sinn das alles habe. Er wurde unruhig und träumte
davon, wie schön das Leben sein könnte in der Gemeinschaft
mit anderen. Seine Sehnsucht wurde immer größer ‚Vielleicht’,
sagte er sich schließlich, vielleicht liegt es daran, dass wir Menschen
die falschen Wünsche haben! Aber was soll ich tun?’
Da kam ihm eine Idee: Er nahm sich vor, eine neue Art des Wünschens
zu üben. Er wünschte sich nicht mehr allein für sich, sondern
auch für seine Mitmenschen alles Gute. Und er erlebte: Wer
einem anderen von Herzen alles Gute wünscht und es ihm auch
gönnt, der hilft auch gerne mit, dass das Gutes eintritt. So geschah
es, dass durch die Sehnsucht eines einzigen Menschen
eine Veränderung eintrat. Und nicht wenige erinnerten sich an das
Wort Jesu: „Was ihr euch wünscht, dass andre euch tun sollen,
das tut auch ihnen.“ Wie die Geschichte ausgeht, weiß heute
noch keiner zu sagen. Aber seit jenen Tagen überlegen sich die
Menschen genauer, was sie sich und einander wünschen, denn
sie wissen: Wünsche verwandeln die Welt.
Vielen Menschen haben wir ein gutes neues Jahr und manch
anderes gewünscht. Dass diese Wünsche Wirklichkeit werden
und wir nach unseren Möglichkeiten unseren Teil beitragen und
den Rest getrost in Gottes Hände legen können, das wünscht
von Herzen Stadtpfarrer Dr. Benedikt Ritzler





