Pfarrgemeinden

Beuren - St. Johannes d. Täufer


Im Nordosten der Stadt Hechingen befindet sich mit 167 Einwohnern der kleinste und zugleich auf 694 m ü. NN der am höchsten gelegene Stadtteil Beuren. Er markiert nicht nur die Grenze zum Nachbarkreis Tübingen, sondern auch zur Nachbardiözese Rottenburg-Stuttgart. Idyllisch ruht das Dörfchen hoch über dem Starzeltal und liegt zugleich am Fuß des exponierten Dreifürstensteins (854 m ü. NN).

Die SSE umfasst alle Stadtteile Hechingens, also insgesamt neun Gemeinden mit 10.277 Katholiken (davon 107 in Beuren). Trotz der unvermeidbaren Zentralisierung einer Reihe von Bereichen soll die Eigenständigkeit aller neun Pfarreien gewahrt bleiben, wozu ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat von Schlatt und Beuren einen wichtigen Beitrag leistet.

Die Bedeutung des Gebetes und die Bitte um die Fürsprache des hl. Johannes kommt nicht zuletzt im Patronatslied von Beuren zum Ausdruck, wo es heißt: „Johannes auserkoren, du starker Gottesmann. (…) Du gabst mit deinem Leben ein Zeugnis für das Licht. Hilf hoffend uns erstreben, was unserm Ruf entspricht.“

 

Patrozinium: 24. Juni

Bemerkenswert ist die gotische Plastik des hl. Johannes des Täufers (um 1430) im Altarraum vorne rechts. Johannes hat als Schutzpatron der Kirche seine Hand zum Segen erhoben. Er hält als letzter Prophet des Alten Bundes in der linken Hand ein Buch (das Alte Testament?), auf dem ein Lamm steht. Denn Johannes versteht sich als Vorläufer, der auf Christus als das „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29), verweist. Dieses Wort, das Johannes vor der Taufe Jesu spricht, ist zentrale Aussage des ehem. Altarbildes, das 1926 rechts vorne aufgehängt wurde. Seither bildet die Kreuzigungsszene den Abschluss des Altarraums.

Da Christus am Kreuz wie ein unschuldiges Lamm gestorben ist, kann seine Auferstehung auch als Sieg des Lammes verstanden werden. Dieses Thema greifen die Lamm-Skulptur auf dem Hochaltar und das Deckengemälde auf, bei denen das verherrlichte Lamm auf dem Buch des Lebens ruht, dessen Siegel es öffnet und dadurch bestimmt, wer „aus allen Nationen und Völkern“ gerettet wird (vgl. Offb 5,9). Zugleich verweist das Lamm auf die Feier der Liturgie, die Christi Tod und Auferstehung vergegenwärtigt und da mit auch der Opferhingabe des Lammes gedenkt (vgl. Offb 5,12): „Sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob.“

Als unbequemer Mahner wurde Johannes um 35 n. Chr. unter König Herodes Antipas enthauptet. Jesus selbst sagte über ihn (Mt 11,11): „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Jo han nes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“


Bevor Beuren 1947 der Kuratie Schlatt als Filiale zugeteilt wurde, war das Dorf eine Filialkirche von Hechingen. Darum wurden die Verstorbenen auf dem Friedhof in Hechingen beigesetzt. Erst 1815 legte man in Beuren einen Gottesacker unmittelbar neben der Dorfkirche an. Diese wurde 1842 wegen Baufälligkeit abgebrochen und an ihrer Stelle im gleichen Jahr ein neues, geräumigeres Gotteshaus errichtet. Dazu musste ein Teil des Friedhofes dem Bauplatz zugeschlagen werden, weshalb ein Jahr später ein neuer Gottesacker außerhalb des Ortes angelegt wurde. An den Kosten von ca. 8000 Gulden für den Kirchenneubau beteiligte sich die Landesmutter Fürstin Eugenie mit 200 Gulden für das Altarbild.

Die im spätklassizistischen Stil gebaute Kirche orientierte sich am Vorbild der Hechinger Stiftskirche. Durch hohe Rundbogenfenster entstand ein heller, festlicher Raum, dessen Ornamente zumeist aufgemalt sind und nur vereinzelt aus Stuck bestehen.

Als in der Kirche um 1925 kleine Veränderungen durchgeführt wurden (zwei neue Glocken wurden den beiden Glocken aus dem 15. und 19. Jh. hinzugefügt), griff man durch neue Statuen aktuelle Entwicklungen auf, etwa mit der Figur des hl. Josef (um 1920), den Papst Pius IX. 1870 zum Schutzpatron der katholischen Kirche ernannt hatte. Der gleiche Papst hatte 1855 das Herz-Mariä-Fest und ein Jahr später das Herz-Jesu-Fest eingeführt, in dessen Gefolge sich der erste Freitag jeden Monats zum Herz-Jesu-Freitag entwickelt hat. Therese von Lisieux (1873-1897) wurde 1925 heilig gesprochen und zur Patronin der Mission und der Jugend ernannt. Ihre Figur stammt aus der Zeit um 1930, während die Herz-Jesu- und die Herz-Mariä-Statue aus der Zeit um 1910 stammen.


Auf der Empore konnte 1852 auch eine neue Orgel aufgestellt werden, die vom Orgelbauer Samuel Ruff aus Grosselfingen stammte. Leider mussten 1917 die Zinnpfeifen aus dem Orgelprospekt abgeliefert werden. Renovationen 1974, 1990/1991 sowie im Jahre 1998 durch die Orgelbaufirma Mönch aus Überlingen führten dazu, dass der Originalzustand wieder hergestellt wurde. Seit dem Patrozinium 1998 erfreut das Instrument die Zuhörer mit seinem ursprünglichen Klang.