Pfarrgemeinden

Schlatt - St. Dionysius


Schlatt mit seinen 844 Einwohnern (552 m ü. NN, Gemarkungsfläche 6,78 km²) liegt in der Talsohle am Eingang des Killertales, wo die Starzel, der Heiligenbach und das Liesenbächle zusammenfließen. Urkundlich erwähnt wird das Dorf unter dem Namen „Sclata“ erstmalig 1134 im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Zwiefalten.

Seit dem Neubau des Pfarrhauses im Jahre 1973 gab es dort neben einem Pfarrbüro und einem Sprechzimmer einen kleinen Versammlungsraum. Dieser konnte 2007 vergrößert werden, nachdem das Pfarrbüro 2003 im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung nach Hechingen verlegt wurde. Auslöser war die Errichtung der Seelsorgeeinheit (SSE) St. Luzius am Pfingstmontag 2002, die von einem Priester und einem Seelsorgeteam geleitet wird. Die SSE umfasst alle Stadtteile Hechingens, also insgesamt neun Gemeinden mit 10.277 Katholiken (davon 574 in Schlatt). Trotz der unvermeidbaren Zentralisierung einer Reihe von Bereichen soll die Eigenständigkeit aller neun Pfarreien gewahrt bleiben, wozu ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat mit Beuren einen wichtigen Beitrag leistet. Wie sehr sich in den Bitten um die Fürsprache des Kirchenpatrons auch die Nöte der jeweiligen Zeit spiegeln, zeigt das Patronatslied, in dem es heißt: „Zu dir schick ich mein Gebet, das um deine Hilfe fleht, heil’ger Dionysius. (…) Segne Frucht und Ackerland, wehr’ dem Wasser und dem Brand. Halte fern der Teurung Not, Krankheit, Krieg und bösen Tod, heil’ger Dionysius.“

 

Patrozinium: 9. Oktober

Gregor von Tours berichtet in seiner „Historia Francorum“, dass Dionysius mit sechs anderen Bischöfen von Papst Fabian um 250 beauftragt wurde, in Gallien das Evangelium zu verkünden. Er errichtete Kirchen in mehreren Städten, so auch in Paris, dessen Bischof er um 250 wurde. Bei einer der letzten großen Christenverfolgungen im Jahre 285 wurde er mit mehreren Gefährten enthauptet. Der Legende nach soll er sein Haupt aufgenommen haben und bis zu der Stelle gegangen sein, wo er begraben werden wollte. Dort erbaute Dagobert I. 626 die nach dem Heiligen benannte Abtei, deren Basilika über 100 m lang ist und zu den prächtigsten Kathedralen Frankreichs gehört. Saint-Denis diente den französischen Königen als Grablege, so dass dort u.a. Chlodwig I., Dagobert I., Karl Martell, Pippin der Kurze, Ludwig XII., Heinrich II., Ludwig XIV. und Ludwig XVI. mit ihren Ehefrauen ihre letzte Ruhestätte fanden.

Die Reliquien des Heiligen Dionysius, dessen Gedenktag der 9. Oktober ist, wurden in Saint Denis von Anfang an verehrt. Rasch avancierte er zum Nationalheiligen Frankreichs und zum Patron der Stadt Paris. Von dort aus verbreitete sich seine Verehrung nach Spanien, aber auch nach Deutschland, nicht zuletzt weil das Kloster St. Emmeram in Regensburg behauptete, Reliquien des hl. Dionysius zu besitzen. So wurde der französische Märtyrer u.a. zum Patron des neuen Klosters in Esslingen a. N. erkoren (gegr. im 8. Jh.) sowie zum Kirchenpatron in Neckarsulm und Rottenburg. Im 11. Jh. erreichte die Verehrung Italien, seit dem 15. Jh. gehört er zu den 14 Nothelfern und wird bevorzugt bei Kopfschmerzen angerufen. Lange galt die Bauernregel: „Regnet's an St. Dionys, regnet's den ganzen Winter gewiss.“


Mönche vom Kloster St. Denis bei Paris kamen im 9. Jh. als Missionare in unsere Gegend und gründeten Kirchen zu Ehren des hl. Dionysius. Zu diesen dürfte auch die erste Schlatter Kirche gehört haben. Erstmals urkundlich erwähnt wird 1275 im „liber decimationis“ der Diözese Konstanz die Pfarrei Schlatt mit drei Filialen, von denen heute nur noch Beuren existiert. 1546 wurde die Pfarrei Schlatt durch Graf Jos Niklas II. aufgehoben und der Pfarrei Jungingen als Filiale eingegliedert, bis es 1947 zur Kuratie erhoben wurde.

Die ehem. Pfarrkirche und jetzige Friedhofskapelle wurde 1426 errichtet, was ein sog. „Feierabendziegel“ dokumentiert, der bei der Renovierung 2002 gefunden wurde. Sicher gab es einen Vorgängerbau, zumal heute noch Ausstattungsgegenstände aus dem 13. Jh. erhalten sind, so der frühgotische Taufstein und die kleinere der zwei Glocken.

Nachdem sich das Dorfl eben immer mehr ins Tal verlagerte und die Kirche auf der Anhöhe zu klein geworden war, wurde 1899 mit dem Neubau begonnen. Den Grundstock dafür legte der Kaufmann und Altvogt Nikolaus Maurer durch das Vermächtnis von 60.000 Mark, während das Baumaterial günstig durch die ortsansässige Ziegelfabrik Blank geliefert wurde. Die Backsteinkirche wurde in neugotischem Stil nach den Plänen des Landeskonservators Wilhelm F. Laur erbaut und am 21. Juni 1902 durch Erzbischof Dr. Thomas Nörber aus Freiburg feierlich konsekriert. Umfassend renoviert wurde die Kirche 2003 außen sowie 2006 innen.


Die Orgel aus dem Jahr 1962 stammt von der Firma Stehle aus Bittelbronn. Sie hat 2 Manuale, 19 klingende Register und eine elektropneumatische Spieltraktur auf Kegelladen.